Wie vermeide ich Hörschäden?


VolumeMan hört oft die Warnung, man solle bloß nicht zu lange und zu laut mit einem Bluetooth-Headset Musik hören, Filme schauen oder auch nur telefonieren, ansonsten könne man sich auf Hörschäden einstellen. Ist da überhaupt etwas dran?

Die kurze Antwort: Es kommt darauf an. 

Das war jetzt weniger hilfreich, als Du es Dir wohl gedacht hattest. Aber es stimmt. Solange Du nur mit Deinem Bluetooth-Headset telefonierst oder bei moderater Lautstärke Musik hörst, hast Du wenig zu befürchten. Da ist es auch nicht so ausschlaggebend, ob Du Over-Ear-Kopfhörer (also über dem Ohr befindliche Kopfhörer) oder die oft  in diesem Zusammenhang genannten In-Ear-Kopfhörer (die direkt in das Ohr hinein reichen) nutzt. Trotzdem sind Bedenken in Bezug auf Headsets absolut nicht aus der Luft gegriffen.

Zur kurzen Orientierung vorab eine Übersicht über verschiedene Lärmstufen:

Dezibel (dB)Beispiel
10Atmen
20Blätterrauschen
Flüstern
30Weckerticken
40Wohnzimmer
ruhigere Dorfstraße bei Nacht
50ruhigere Straße bei Tag
60normales Gespräch
70viel befahrene Straße
80Autobahn
90Kreissäge
Presslufthammer
100Motorrad
110Rockkonzert
120Pfeife direkt in der Nähe vom Ohr
130Düsenjet

Grob gesagt kann es also ab etwa 90 Dezibel wirklich gefährlich werden, wenn man dem Klang lang und ununterbrochen ausgesetzt ist. Bei 90 Dezibel reden wir noch von Zeiten wie 3 Stunden, während es bei 95 Dezibel schon eine Stunde sein kann. Natürlich wird nicht jeder, der regelmäßig Rockkonzerte besucht, irgendwann taub oder bekommt Tinnitus. Er erhöht sein Risiko dafür aber.

Wie kann ich das bei Bluetooth-Headsets vermeiden?

Eigentlich ist es ganz einfach und logisch.

1. Pausen machen!

Die meisten Schäden treten tatsächlich (fast) nur dann auf, wenn man den Geräuschen/Klängen über längere Zeit pausenlos ausgesetzt ist. Der wichtigste Schritt ist also, zwischendurch die Bluetooth-Kopfhörer einfach mal abzusetzen und sich und vor allem dem eigenen Gehör etwas Ruhe zu gönnen. Wer bei der Arbeit oder privat oft vor dem Bildschirm sitzt, kennt diese Vorgehensweise auch in Bezug auf die Augen. Ab und zu an die frische Luft zu gehen oder auch nur ein Gespräch zu suchen und eben nicht auf den Monitor zu starren, kann Wunder bewirken. Bei den Ohren sind erste Erschöpfungsanzeichen oft nicht so deutlich wie bei den Augen, aber prinzipiell gilt dasselbe.

2. Die Lautstärke im Blick behalten

Klar, jeder hat den Song oder die Lieblingsstelle im Film, bei dem/der er/sie unbedingt voll dabei sein will. Dazu möchte man natürlich auch den vollen Sound. Das ist okay, solange man das Lautstärkevolumen nicht auf 100% dreht und es später nicht vergisst zu regulieren. Denn je höher die Lautstärke, desto schneller kann es zu Schäden kommen! Um diesen Punkt zu erleichtern, hilft es, ein Bluetooth-Headset (oder überhaupt ein Headset) zu benutzen, das Außengeräusche komplett ausblendet, also über das sogenannte Noise-Cancelling verfügt. Dadurch kommt man nicht so schnell in Versuchung, die Lautstärke allzu hoch zu drehen, um das Staubsaugen oder den Katzenjammer im Hintergrund loszuwerden. Und bei moderater Lautstärke sind Bluetooth-Kopfhörer auch nicht schädlicher als eine aufgedrehte Surround-Anlage.

3. Besser über dem Ohr als mittendrin!

Es stimmt tatsächlich: Over-Ear-Kopfhörer sind zumindest ein bisschen ohrfreundlicher als die In-Ear-Variante. Die zusätzliche Distanz, die zwischen KoOhr Iconpfhörer und Gehörgang liegt, macht definitiv einen Unterschied. Unter anderem deshalb empfehle ich die In-Ear-Kopfhörer auf dieser Seite in der Regel nur zum Telefonieren oder zum Sport, wo große Ohrmuscheln einfach hinderlich sein können oder die Lautstärke ohnehin nicht zu hoch ist. Wer Musik oder Filme oft und längere Zeit genießen will, sollte entsprechend eher zu Over-Ear-Kopfhörern greifen. Das gilt entsprechend auch für Vielreisende oder Sportler, die ihre Bluetooth-Kopfhörer jeden Tag brauchen.

4. Beantworte Dir selbst eine simple Frage:

Sind Dir ein paar Minuten/Stunden richtig lauter Beschallung durch Deine Lieblingsmusik, Deinen Lieblingsfilm oder Dein Lieblingsgame es wert, Dein Gehör langfristig zu riskieren? Klar ist das etwas überdramatisiert, aber Tatsache ist, dass zu laute Klänge (auch ganz ohne Kopfhörer) für unsere Ohren problematisch sind. Es hat schon seinen Grund, dass bei wirklich lauten Berufen (beispielsweise beim Umgang mit Maschinen bei Bauarbeiten) oder zum Beispiel beim Training mit Waffen eigentlich klangisolierende Kopfhörer zum Schutz des eigenen Gehörs vorgesehen sind.

Also besser doch keine Kopfhörer…

Das ist eine falsche Schlussfolgerung. Es kommt letztendlich mehr auf die Lautstärke als auf die Distanz zum Ohr an. Wenn Du eine Dolby Surround-Anlage hast und die voll aufdrehst, bist Du auch nicht besser beraten als mit Kopfhörern. Bei Anlagen ist es nur so, dass die Mitmenschen in der Regel irgendwann darauf hinweisen, dass sie Deine Lieblings-CD von DJ Bobo oder Andrea Berg ( 😉 ) eben nicht mithören wollen. Diese zusätzliche Barriere hat man bei Bluetooth-Kopfhörern einfach nicht und ist dementsprechend nur auf sich selbst gestellt. Vor allem dann, wenn man oft laut Musik hört, verliert man da schnell die Sensibilität. Da man dann nie oder selten darauf hingewiesen wird, dass der Sound eigentlich viel zu laut ist, birgt das eine recht große Gefahr.

Diese Hinweise sind natürlich nur vorbeugende Maßnahmen, die für Dich außerdem vielleicht selbstverständlich sind. Abgesehen davon schließt das Befolgen dieser kleinen Übersicht Probleme definitiv nicht aus, sondern kann nur helfen, die Risiken zu minimieren. Solltest Du nach Benutzung eines Bluetooth-Headsets (oder überhaupt nach längeren lauten Geräuschen) ernsthafte Probleme mit Deinem Gehör feststellen, solltest Du sofort zum Arzt. Gerade wenn es um den (möglichen) Verlust des Hörens geht, wäre ich lieber etwas zu vorsichtig. Das fatale an Hörschäden, die durch zu laute Musik oder vergleichbares entstehen, ist schließlich, dass sie nicht heilbar sind.